STACKENBLOCHEN (rsf)
(where contestants have to arrange items on a dresser at right angles - that passes for fun in germany)
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Es gab Austern. Im "Capital Club" (haha) war nämlich "Champagnergala" (haha). Ich hatte noch nie Austern gegessen und war entsprechend kenntnisfrei über die korrekte Herangehensweise an diese Meeresfrucht. Also habe ich das schalenknackende Personal amüsiert, indem ich es fragte, was ich wohl zu unternehmen hätte, um mich nicht vor all den Auskennern zum Deppen zu machen, die um den Austernstand standen und bedeutungsvolles Zeug schwafelten.

Stellt sich raus: ansetzen, reinschlürfen und so tun, als würde man das jeden Tag machen, ist völlig ausreichend, um die Leute dort zu beeindrucken. Dazu wurde wahlweise Zitrone oder Schalottenvinaigrette gereicht und ich weiss jetzt, welche Variante ich bevorzuge, was mich wiedrum in die Lage versetzt, bei zukünftiger Austernfachsimpelei den Eindruck zu erwecken, ich gehörte irgendwie dazu.

Im Raum, in dem genau diejenigen Champagnermarken ausgeschenkt wurden, die so pseudo-neureiche Mokassinträger aus den Läden kennen, in denen sie halt so mit ihren Püppis rumlungern, lungerten die Püppis mit ihren pseudo-neureichen Mokassinträgern rum, ließen sich Taittinger und so Kram einschenken und belehrten mich, dass man ja "hier nicht ausspucken müsse", sondern das sei ja nur für "da draußen" vorgesehen. Immerhin muss ich zugeben, dass der "Rare" von Piper-Heidsieck wirklich besonders war, was mir die Mokassinträger und ihre Püppis aber auch erst bestätigen wollten, als sie hörten, dass der Scheiß hundertfuffzich Euro kostet. Den 30-Euro-Rosé von Lenoble fand ich aber deutlich interessanter. Doof für Püppi: Den gab's draußen.

Die Veranstaltung sei okay, um sich ordentlich mit Schampus zu bezechen, sagte der P. mir vorher, aber "die Leude, Digga! Die Leude!!". Er hatte Recht und ich die Karten geschenkt bekommen. Das hat's rausgerissen. Für lau würde ich da jederzeit wieder hin.

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"Immer seltener helfen mir Journalisten, die Welt und mich besser zu verstehen oder eine klügere Entscheidung zu treffen. Statt das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, machen sie das Unwichtige wichtig – wie die Werber"

(Dominik Imseng)

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Ich war auf meinem ersten Foodcamp. Ein Freund, der an der Organisation beteiligt war, hatte ausgerechnet mich dazu eingeladen. Ich kann viel essen, viel trinken, Gulasch, Lasagne, Pizza, Steak und Carbonara kochen, habe mich plötzlich unter einem Haufen Foodnerds wiedergefunden und mich so deplaziert gefühlt, wie noch nie. Als irgendwann irgendwer über irgendwen anderes sagte: "Wer is'n das überhaupt? Kann die kochen oder hat die Reichweite?", habe ich meine Contenance wiedergefunden indem ich mir und anderen versucht habe, einzureden, meine Reichweite sei ein Wert an sich. Außerdem habe ich Kartoffeln geschält, Teller getragen und Getränke eingeschenkt (oder sagt man ausgeschenkt?) gelegentlich Scherze gemacht und eine Handvoll Sendungen aufgenommen (quick and dirty allerdings).



Eigentlich war das Foodcamp eine Pressereise oder die Pressereise ein Foodcamp oder so. Ich schreibe hier also möglicherweise die absolute Unwahrheit, wenn ich behaupte, dass ich alles durchgehend super gefunden habe. Die Bayern Tourismus Marketing (all hail!) hatte uns eingeladen, die Ausflüge organisiert, das Hotel und das Essen und eigentlich so ziemlich alles bezahlt - außer der Anreise und der absurden Menge Backwerk, das ich in der wundervollen Konditorei Neef gekauft habe, wann immer ich ein paar Minuten Zeit hatte. Tagsüber haben wir ein vorbereitetes Programm absolviert und abends frei gekocht.

Wir waren im Essigbrätlein, einem Sternerestaurant in Nürnberg. Mein erstes Sternerestaurant überhaupt. Das war schon reichlich beeindruckend, aber nicht so beeindruckend, wie ich erwartet hatte. Nimbus und so... weisstschon. Später kam uns dann der Gedanke, dass es vielleicht auch deshalb nicht so beeindruckend war, weil unsere Stimmung eher einem Wirtshaus angemessen gewesen wäre. Jetzt muss ich wohl nochmal in einen Sterneladen, um zu sehen, wie es dort ist, wenn man selbst etwas dezenter ist.

Wir waren bei einem geilen Metzger (Seefried, bei dem wir gewurstet und die Wurst hinterher gegrillt haben, bei einem geilen Brauer (Gänstaller), von dem wir Treber mitgenommen und abends daraus Crumble gemacht haben, bei einem geilen Bäcker (Erbel, bei dem ich mich an Marzipan-Weißmohn-Plunder überfressen habe, bei einem geilen Winzer (Bickel-Stumpf), den wir auch schonmal auf Wrint verkostet haben und dessen Wingert ich jetzt auch mal beschritten habe, und hatten Abends Besuch von noch mehr geilen Winzern (3 Zeilen, 2Naturkinder, die dann auch mit uns gegessen haben. Von Christian Stahl habe ich fünf Weine probiert und alle waren so gut, dass ich mich nicht für einen entscheiden könnte, wenn ich müsste. Das ist mir auch noch nie passiert.)

Das einzig Schlechte am Programm der vier Tage, war der barbesuchsinduzierte Schlafmangel und mein Zustand nach mehreren Stunden Busfahrt, die mein Innenohnr nicht so gut verkraftet hatte. Besonders beeindruckend fand ich die Stimmung insgesamt. Ein wenig wie auf dem Congress: Nur normale Menschen (bezogen auf die gemeinsame Basis), die fast rund um die Uhr aufeinanderhängen, und daraus resultierend eine sehr besondere, leicht hermetische und umso inspirierendere Stimmung erzeugen. Jetzt hab ich den Salat: Ich kann mir gut vorstellen, in Franken zu leben und muss unbedingt mehr kochen. Das mit dem Kochen ist sogar realistisch.

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