Als mein Freund
Christoph seinen Weinladen schließen musste, haben einige von euch ein paar Flaschen an meine Adresse bestellt. Darunter ein
Saint Jean du Barroux L'Argile 2006. Ich habe ihn um 20.30 Uhr geöffnet.
21.00 Uhr. Meine Nase meldet fünf Schwarze Johannisbeeren, zwei schwarze Kirschen und eine überreife Erdbeere, die alle zusammen in einer alten, aber gepflegten Ledertasche vergessen wurden, die nach dem Regen in die staubige Ecke im Keller gelegt wurde, um dort zu trocknen.
Er hat noch aberwitzig viel Tannin (das ist das, was den Pelz im Mund und auf den Zähnen macht). Beim Spülen stöhne ich hörbar. Und das kommt verblüffenderweise nicht vom üblichen Schaudern, dass einen überfällt, wenn der Rote noch zu pelzig ist, sondern hat fast etwas wollüstiges, so fein ist der Pelz. Geschmacklich ist kaum was da, außer der Schwarzkirsche, die auch schon in der Nase war.
21.45 Uhr. Die Früchte schleichen sich teilweise aus und werden durch Gewürze ergänzt. Auch der Pelz legt sich, allerdings sehr langsam. Dafür gibt es zunehmend Sauerkirsche, Thymian und eine angenehme Kühle.
22.40 Uhr. Er wird noch frischer. Und die Frische wird auf einem grösteten Graubrot serviert. Ich sollte einen Rotwein-Brotaufstrich erfinden und ihn "Frische" nennen. Sowas verkauft sich bestimmt.
23.00 Uhr. Pflaumennase!
Toller Wein. Ein Viertel habe ich noch. Das probiere ich morgen.
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Heisser Scheiß, dieser 2008er Pouilly-Loché!
Darüber hinaus fehlen mir gerade leider die Worte, um zu beschreiben, wie niederschmetternd dieser Wein ist. Im besten Sinne selbstverständlich. Und nich so, wie dieser Kabinettwein aus der Pfalz (wo ja auch der Beck irgendeinen anderen Beruf schwänzt), den ich vorher aufgemacht und probiert habe und von dem nur aus einem einzigen Grund noch eine fast volle Flasche im Kühlschrank steht. Um was zum Saufen zu haben nämlich, wenn die ersten beiden Flaschen leer sind und es sowieso egal ist, wie der Stoff schmeckt, solange er ordentlich dreht.
Der Sigi hatte vermutlich Recht, als er sagte: "Man sollte überhaupt keinen Kabinettwein mehr trinken". Aber ich will nicht jammern, denn schließlich muss ich ja keinen trinken. Aber den Lauch könnte ich morgen darin kochen.
Oder ist es 'das' Lauch?
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Haffenloher-Ökonomie
holgi, 11. April 2012, 14:22
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Dessert im Ristorante
Bue D'Oro, Valeggio.
Ich so: "Das ist die beste Panna Cotta meines Lebens!"
Der Kellner so: "Ich weiss."
holgi, 9. April 2012, 20:07
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Ich so: "Boah... die eigene, über Jahre gesammelte Expertise nochmal mit Zitaten zu untermauern, ist schrecklich zeitraubend!"
Der N so: "Ja, die Literaturnachweise sind halt immer die Pest. Hach, wär Wissenschaft schön, könnte man einfach loslabern! ... Zuckerkügelchen?"
holgi, 22. März 2012, 12:22
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Weht eine Brise schreibst du von Böen
wenn es dich juckt von hustenden Flöhen
bringst du nun Böen und Flöhe zusammen
reichen deine Schlüsse sehr weit
beleuchtest sie mit züngelnden Flammen
erkennst ja schließlich die Zeichen der Zeit
schwebst in den Höhen als Böen-Chronist
deshalb bist du ja Feuilletonist.
(Gabor Paal)
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"Wo Zucker in Wein eingeleitet wird, rührt Adolf Hitler im Geiste mit."
(Wiglaf Droste)
holgi, 29. Februar 2012, 23:35
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Jemand hat eine riesige, aber saure Honigmelone, eine halbe Stange Sellerie und eine Himbeere mit einem grünen, feuchten Stöckchen auf eine Scheibe Weißbrot geschmiert!
Wenn man den trockenen
Aufricht Riesling "Meersburger Sängerhalde" 2008 trinkt, wird der Mund mit feuchtem Feuerstein ausgekleidet, der sich langsam in halbreife Erdbeeren und kaum reifere Stachelbeeren verwandelt und irgendwann nur noch eine - im besten Sinne - unerhörte, spektakulär langlebige, leicht bittere Säure unreifer Früchte zurücklässt.
Der Rest, der im Glas warm geworden ist, riecht irgendwann wie angeschnittene Blumenstiele. Hach...
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Eingekochte Pfirsisch-Erdbeer-Mischung. Ein wenig zuckrig. Aber nicht wie auf der Kirmes, sondern wie beim Marmeladekochen. Angenehm aber eher grobschlächtig.
Van Volxem: Saar Riesling, Fuder 4, Alte Reben, 2007
Im Mund, anfangs sehr herb, je länger das Glas steht, desto freundlicher, verteilt sich fast schlagartig dieses Riesling-Bitter, ein Geschmack als würde man einen Feuerstein oder Schiefer ablecken. Pfirsisch und Erdbeeren sind zurecht mit viel Zucker eingekocht worden, denn die Erdbeeren wurden zu früh geerntet und sind deshalb noch etwas sauer. Ausserdem scheine ich an einem Pfirsischkern geknabbert zu haben.
Und das alles harmoniert. Wie machen diese Winzer das immer?!
Und viel, viel später. Wenn man schon gar nicht mehr dran denkt, hat man einen leichten Apfelgeschmack auf der Zunge. Sachen gibt's...
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Drei Fragen würde ich beim Speed-Dating stellen.
"Wie erzeugt man so viel Energie?"
"Wissen Sie, wo die Schinkelstraße ist?"
"Wann ist das Nunstuck git und Slotermeyer?"
Eine richtige Antwort ist ein gutes Date. Zwei richtige Antworten gibt eine Freundschaft. Sind alle drei Antworten richtig, wäre es eine Heiratskandidatin.
holgi, 7. Februar 2012, 23:36
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